Kohlenhydrate und Zucker

Werden alle Kohlenhydrate in Zucker umgewandelt? Nein. Für eine low-carb oder ketogene Ernährung ist diese Aussage oftmals das Argument schlechthin. Jedoch wird die Frage, was Zucker überhaupt ist, vernachlässigt. Denn was sicher stimmt ist, dass Kohlenhydrate im Körper zu Saccharose, also normaler Haushaltszucker, werden. Ein wichtiger Unterschied, den noch Viele nicht kennen:

Arten von Zucker und deren Auswirkungen auf unseren Stoffwechsel

Glukose ist ein Einfachzucker, der alle Gewebearten versorgen kann. Die Glukose kann direkt über die Mundschleimhaut schnell aufgenommen werden und in den Blutkreislauf übergehen. Dies verursacht einen starken Insulinanstieg. Der glykämische Index liegt bei 100.

Fruktose fällt zwar auch in die Kategorie der Monosaccharide, der Körper kann hingegen diesen Zucker nicht sofort verwenden. Die Fruktose muss zuerst von der Leber in Glukose umgewandelt werden. Erst dann kann sie ins Blut übergehen. Der Blutzuckerspiegel steigt langsamer, weswegen der glykämische Index nur 22 beträgt. Jetzt kommt aber das große Aber: Unsere Leber kann nur sehr kleine Mengen an Fruktose täglich in Glukose umwandeln. Wenn die Obergrenze erreicht ist, wird die Fruktose in Fett umgewandelt und verursacht schlussendlich eine Fettleber. Auch schlanke Menschen können eine Fettleber entwickeln – man nennt sie eine nicht alkoholische Fettleber. Deshalb meine Empfehlung Obst in Maßen essen und insbesondere die Inhaltsstoffe von Industrieprodukten genau prüfen. Auch Agavendicksaft, der immer so schön als gesunder Ersatz für Rohrohrzucker etc. propagiert wird, ist reinste Fruktose.

Krebszellen ernähren sich von Zucker

Seit dem Buch „Krebszellen mögen keine Himbeeren“ wurde mir klar, dass es auch beim Verzehr von Obst Grenzen gibt. Unsere Vorfahren waren Jäger und Sammler. Dabei wurden vorrangig Nüsse, Wurzeln, Beeren und Kräuter gesammelt. Himbeeren, Heidelbeeren also insbesondere Früchte mit einem niedrigen Fruktoseanteil kannst du gelegentlich in deinen Speiseplan aufnehmen. Manche Krebszellen und auch die schlechten Darmbakterien ernähren sich gerne von einem Überschuss an Fruktose.

Saccharose

Saccharose ist der weiße Industriezucker. Er ist ein Zweifachzucker, der zu 50% aus Fruktose und zu 50% aus Glukose besteht. Saccharose sorgt auch für einen starken Anstieg des Insulinspiegels und natürlich aufgrund der Fruktose zu einer enormen Belastung der Leber.

Stärke

Stärke findest du z B. in Kartoffeln (Kartoffelstärke). Stärke besteht aus langkettigen Glukosemolekülen und gehört zu den Mehrfachzuckern. Eine Leberbelastung erfolgt durch diese Zuckerart nicht, da keine Fruktose enthalten ist. Beim Konsum von stärkehaltigen Produkten, wie der Kartoffel solltest du darauf achten, dass du diese nach dem Kochen zuerst abkühlen lässt. Dadurch entsteht die sogenannte resistente Stärke, die für die guten Darmbakterien als Futter dienen. Du kannst die Kartoffeln nach dem Abkühlen aber auch wieder erwärmen, was zu keiner Reduktion der resistenten Stärke führt.

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Sind Kohlenhydrate böse?

Die unterschiedlichen Arten von Kohlenhydraten haben jeweils unterschiedliche Auswirkungen auf unseren Stoffwechsel. Da jeder Mensch individuell betrachtet werden muss, gibt es kein generelles „Kohlenhydrate sind schlecht“ für alle. Sicher ist, dass es Menschen gibt, die auf Kohlenhydrate verzichten sollten, vor allem in Bezug auf starke Blutzuckerschwankungen. Für diese Menschen stellt die Low Carb Ernährung oder ketogene Ernährung die bessere Alternative dar. Solltest du bereits an einer Insulinresistenz leiden oder deine Hormone aus dem Gleichgewicht sein, solltest du über eine stark kohlenhydratreduzierte Ernährung nachdenken. Das bedeutet natürlich nicht, dass du nie wieder Kohlenhydrate essen darfst. Der Fokus sollte dann auf Wurzelgemüse, wie Pastinaken, Wurzelpetersilie oder Karotten liegen.

Metabolisch gesunde Menschen können mehr Kohlenhydrate essen. Wenn du allerdings sehr wenig Bewegung hast, solltest du auch diese reduzieren. Menschen, die viel Sport treiben, empfehle ich folgende Kohlenhydrate in ihren Ernährungsplan mit einzubauen:

  • Honig zu 100% in Bio-Qualität
  • Beeren
  • Kürbis
  • Wurzelgemüse

Dahingegen sollte jeder Mensch, auch metabolisch gesunde Menschen, auf weißen Zucker verzichten. Weißer Zucker verbraucht nicht nur Vitamine und Mineralstoffe bei der Verstoffwechselung, sondern schädigt auch die Darmflora und fördert Entzündungen im Körper. Um noch einmal den Begriff der metabolischen Gesundheit zu definieren: Metabolisch gesunde Menschen sind noch dazu in der Lage, Glukose in die Zellen zu bringen. Gelingt dies nicht mehr (bei Insulinresistenz) richtet Glukose im Blut Schäden an den Blutgefäßen an.

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